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Was bitte, ist eine „Kletitte“?

Im Sommerurlaub beim Schlendern durch Hermannstadt (Sibiu) entdeckt: Eine Bude, die „Kletitten“ (rumänisch: Clatite) feil bot. Hinter der (für Nichtkenner) etwas „schrägen“  Bezeichnung verbergen sich feine, dünne Pfannkuchen, frisch gebacken und aufgerollt, mit süßer oder pikanter Füllung.

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Foto: DAZ-Rumänien/Hannelore Baier

Die Speisekarte auf dem Bild bedarf eigentlich keiner Übersetzung – außer vielleicht „sunca si cascaval“, das bedeutet Schinken und Käse. Mein Favorit ist „miere si nuca“(geröstete Walnüsse und Honig). Wahrscheinlich kommt hier der osmanisch-orientalische Einfluss durch, denn die Osmanen haben zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert in diesem Landstrich ordentlich gewütet. Wenn sie auch sonst nichts Gutes hinterlassen haben, wenigstens in kulinarischer Hinsicht waren sie eine Bereicherung.

Nun zu den Kletitten: Die leckersten gab es bei Tante Regina, in einem kleinen Dorf an der Temes (im Banat).  Sie bewohnte mit ihrem ungarischen Mann Juri das Pfarrhaus und führte auch den Haushalt des jungen Vikars. Lange ist das her, aber an diese Sommerferien habe ich noch lebhafte Erinnerungen. Auch weil es die köstlichsten Süßspeisen gab, die die österreichisch-ungarische Küche zu bieten hat: Kletitten, Langos (in Fett ausgebackene, süße Hefeteig-Fladen mit einem Loch in der Mitte), Kaiserschmarren mit Marillenröster….  Gut, dass ich damals noch eine „Bohnenstange“ war….
Am letzten Abend unseres Aufenthaltes durften wir Kinder uns ein „Abschiedsessen“ wünschen. Natürlich Kletitten. Tante Regina füllte sie mit Himbeeren aus dem Garten, frischem süßem Rahm und bestreute sie mit Puderzucker – ein Gedicht.

Pfannkuchen-Kletitten-Kochbuch-1984-Siebenbuergen
… Rezept aus meinem Kochbuch von 1894

Zur Feier des Tages wurde der Selbstgebrannte aus dem Keller geholt und Onkel Juri erzählte uns Geschichten „von früher“ und Witze, die nicht für Kinderohren bestimmt waren.  Zu späterer Stunde nahm er mich zur Seite und flüsterte mir ins Ohr: „Mariechen, lauf doch mal schnell zum Vikar und frag ihn, ob er Kletitten möchte, ich weiß er liebt sie, besonders wenn sie schön dick und weich sind und süß wie die Sünde…. Dabei gluckste er vergnüglich und zwinkerte mir zu. Auf keinen Fall wollte ich alleine zum Vikar gehen, er war mir irgendwie unheimlich. Doch es half nichts. Also lief ich die Treppe hoch,  in der Hoffnung, der Vikar möge nicht in seiner „Stube“ sein. Vorsichtig näherte ich mich der Tür und horchte – kein Geräusch war zu hören.  Ich klopfte leise an, ohne ein „Herein“ abzuwarten riss ich die Türe auf und stand plötzlich Auge in Auge mit dem Vikar. Ich weiß nicht, wer von uns beiden den größeren Schrecken bekommen hatte. Mein Herz pochte und ich stammelte nur noch:„…mögen Sie….Kl…Titten…?  Der Vikar grinste und sagte nur:  „Mädchen, da musst du in ein paar Jahren wieder kommen ….

Tante Regina mag sich gewundert haben, dass der Vikar ihre Kochkünste an diesem Abend nicht würdigte – und ich war heilfroh, dass wir am nächsten Tag abreisen durften.  Kletitten esse ich immer noch gerne, am liebsten mit Himbeeren und Rahm ….

Sauerkraut-Crepes… und hier ist mein Rezept:

Zutaten: Für 2-4 Portionen: 150 g doppelgriffiges Mehl (Instantmehl), 3 Eier, 50 ml zerlassene Butter oder Butterschmalz, jeweils 100 ml Mineralwasser und 100 ml Milch, 1/2 TL Salz und,  je nachdem ob es eine süße oder pikante Füllung gibt, 1/2 TL Zucker.

Zubereitung: Die Eier verquirlen, Mehl, Salz und Milch dazu rühren und das Ganze unbedingt mindestens eine halbe Stunde stehen lassen. Kurz vor dem Ausbacken das Mineralwasser angießen, bis der Teig die gewünschte Konsistenz hat. Ich backe die Kletitten in einer beschichteten Pfanne und halte sie im Backofen warm. Wenn der Teig Butter enthält, entfällt das Einfetten der Pfanne (sie werden allerdings schöner, wenn die Pfanne leicht mit Butterschmalz oder Öl ausgepinselt ist).

Füllungen: Die „süße Sünde“: Mit frischen Himbeeren (oder Himbeermarmelade ohne Kerne) und süßer Sahne oder Mascarpone gefüllt und mit Puderzucker bestreut.
Die ausgefallenste (im Bild): Sauerkraut-Ricotta: Natur-Sauerkraut (roh), kurz erwärmt, mit Paprika und Kümmel gewürzt und mit Ricotta gemischt. Die gefüllten Kletitten werden   mit Schlagsahne übergossen, mit Parmesan bestreut und im Backofen gratiniert.

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