Apfelwein-Dose-Odenwald

Integration auf hessisch – aber bitte „mit Musik“

Mein erstes „hessisches“ Date hatte ich – wie sich das gehört – in einer Ebbelwoi-Kneipe mit einem idyllischen Garten, unter Kastanienbäumen. Ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt weder die hessische Lebensart des „Äppler„- Trinkens, noch irgendwelche hessische Spezialitäten.

Sehr gespannt und auch ein bisschen „hibbellisch“ (hessisch für nervös, aufgeregt) studierte ich die Speisekarte. Unter „Grie Soß“ konnte ich mir noch etwas vorstellen, aber bei „Handkäs mit Musik“ war ich schon sehr unsicher. Ob man den mit den Händen aß?

Oder spielte etwa jemand Geige zum Essen? Für 6,50 DM pro Portion sicher nicht. Mein „Date“ meinte nur, ich sollte nicht so viel fragen und mich doch einfach überraschen lassen, Handkäs sei bestimmt das Richtige für mich.

Dazu einen „Äppler“ (einen „Süßgespritzten“). Immerhin war mir klar, dass es sich dabei um Apfelwein handelte.Und dann kam der Handkäs: nicht besonders ansehnliche, blasse Klümpchen, die in einer milchigen Lake schwammen, mit Kümmel und ganz vielen klein geschnittenen Zwiebeln. Dazu zwei Scheiben Schwarzbrot und ein kleines Stück Butter. Es half alles nichts, ich musste da durch – und es schmeckte tatsächlich viel besser als es aussah. Der Handkäse war vorzüglich, weich, fast cremig und mild-säuerlich. Rohe Zwiebeln waren noch nie mein Fall, sie schmeckten in dieser Kombination allerdings ganz passabel.

Und das „Stöffche“ war auch nicht schlecht. Schnell war ein „Bembelche“ leer und die Spannung stieg und stieg – vor allem die in meinem Bauch. Ich hatte das Gefühl, gleich platzen zu müssen….
Wie der Abend endete? Mit Musik!

Tja – ich esse trotzdem immer noch gerne einen guten Handkäse – allerdings nur mit Essig, Öl und Kümmel, und am liebsten draußen, in einem schönen Biergarten.

Apfelwein-Handkäse-Musik-Salat-Rezept-HessenUnd dann kam der Tag, an dem der Blick über den „Tellerrand“ dazu führte, dass ich dem Handkäse untreu wurde:  Ich entdeckte den Olmützer Quargel, (Olomoucký tvarůžek), den tschechischen Verwandten, aus der Stadt Olmütz bzw. Lostice. Er ist pikanter, kräftiger und er schmeckt mir auch zu Hause, in geschlossenen Räumen, selbst im Winter. In passender Begleitung kommt er viel eleganter daher – und eignet sich so vielleicht auch eher für das erste Date als sein hessischer Vetter…. Und dazu schmeckt ein guter Chardonnay aus der Pfalz.

Zutaten für zwei Portionen: 2 kleine Rollen Quargel, jungen Spinat -Salat, Radicchio, frische braune Champignons, Haselnüsse (Walnüsse oder Pinienkerne gehen auch).
Für das Salat-Dressing: weißer Balsamico, Dijon-Senf, etwas Honig neutrales Öl und Salz. Den Quargel schneide ich in kleine Würfel, mariniere ihn in einer Essig-Öl-Mischung (wie oben, nur ohne Senf), ich mag auch eine Prise Kümmel dazu.

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