Siebenbürgische-küche-Kochbuch

Marquise de Pompadour und die siebenbürgischen Primärtugenden …

Meine Consommé mit Suppenstrudel hat eine lange Tradition.

„Die Liebe eines Mannes wird im Bett gewonnen und bei Tisch erhalten…“
(Marquise de Pompadour, 1721-1764)

…so hat es meine Oma zwar nicht ausgedrückt, aber so ähnlich wohl gemeint: Die siebenbürgisch-sächsische Frau sollte bestimmte Tugenden besitzen (oder Land – Anmerkung der Autorin), damit sie überhaupt für den Heiratsmarkt in Frage kommt. Ist es ihr gelungen, ein Mannsbild für sich zu begeistern und gipfelt diese Begeisterung gar in einer Hochzeit, zeigen sich die wahren Fähigkeiten der Frau (heute würden wir „Kernkompetenzen“ sagen). Denn ab da liegt es primär an ihr, wenn der (Ehe)-Mann erst „fremdschläft“ und dann „fremdisst“ –  oder war die Reihenfolge umgekehrt?

Kochen – und zwar kreativ und gut zu kochen, war jedenfalls wichtig. Denn die Devise lautete: mit wenig Zutaten ein schmackhaftes Mahl für den Mann zaubern – das „kulinarische Maximalprinzip“ als Basis für eine glückliche Beziehung!?
Mir kommt hierbei der Part des Mannes etwas zu kurz , vielleicht fällt meiner Oma (92) dazu noch was ein….

Ich weiß nicht, ob das heute noch so funktioniert – die aushäusigen Verlockungen kulinarischer und erotischer Natur sind exponentiell höher als sie es in einem kleinen verschlafenen Dorf in Siebenbürgen  waren. Und wie frau/man die Liebe und die Leidenschaft erhält –das wüssten wir alle gerne, denn wenn das so einfach wäre, hätten wir nicht  steigende Scheidungs- und Trennungsraten.

Obwohl- angeblich gibt es trotz einer inflationär steigenden Zahl an Kochsendungen und Food-Journalen immer weniger Menschen, die echtes Essen zubereiten können und wollen. Vielleicht ist doch was dran, an Omas Theorie…  Unumstritten ist jedoch der Zusammenhang zwischen Essen und Erotik, der sich schon im Vokabular abzeichnet –  ich sage nur „Amuse Bouche“ oder „Gaumenschmeichler“…, na ja,  Französisch eben…

Die Marquise, die oben genannte, war eine Verführerin vor dem Herrn bzw. für die Herren, aber sie wollte nur einen – den König (Ludwig den XV.), klar, und den hat sie dank ihrer Schönheit, ihrer Kochkünste und ihres strategischen Geschicks auch bekommen.
Er machte sie zu seiner Maitresse und sie erfand für ihn anspruchsvolle kulinarische Kreationen, die heute noch ihren Namen tragen (siehe: Wolf Uecker: Das Püree in der Kniekehle der Geliebten, München 1989).

Was mich an der Marquise am meisten beeindruckt: Selbst als der König sich nach 15  (immerhin!)  Jahren lustvoll „jüngerem Gemüse“ zuwandte, verwöhnte sie ihn kulinarisch weiter und sorgte mit ihrem guten Geschmack  für die entsprechende Auswahl seiner Gespielinnen. Diese waren zwar jung und hübsch,  konnten ihr allerdings nicht wirklich gefährlich werden;  das nenne ich: „Strategie d’amour“!

Ihre Rezepte – ich meine die Kochrezepte- sind heute noch zeitgemäß, zumindest das folgende „Süppchen“, die „Consommé à la Pompadour“, und die geht so:
Ein Suppenhuhn in Öl anbraten und in ausreichend Wasser mit 250g Rindfleisch, Möhren, Lauch und Salz mindestens eine Stunde kochen. Brühe durch ein Sieb gießen, mit Eiweiß klären, durch ein Leinentuch filtern und ganz  frisch bereitete Klößchen aus Geflügelfarce zusetzen. Die Consommé mit feinen Trüffelstreifen und einer in Fleischbrühe pochierten Julienne von Sellerie abschmecken. In jede Suppentasse 1-3 in Champagner gegarte Krebsschwänze geben.

Die  „Consommé à la Marie ist ein bisschen einfacher:
Ich nehme dafür 1 kg Rindfleisch (z. B. Hohe Rippe) und 1-2 Markknochen. Das Fleisch (+Knochen) wird in kaltem Wasser aufgesetzt, dazu 1-2 Karotten, 1 Lauchstange, eine Zwiebel, die mit 2 Nelken gespickt wird, ein Viertel von einer Sellerieknolle, eine Petersilienwurzel, Pfefferkörner, Salz und ein getrocknetes Lorbeerblatt.

Suppenstrudel-siebenbuergisch-Consomme-RezeptDas Ganze muss ca. zwei Stunden köcheln. Dann abseihen, d. h. durch ein Sieb gießen, abkühlen lassen, die feste Fettschicht entfernen oder auch nicht (je nach Figur des Mannes) und – da es ja eine Consommé werden soll, muss die Suppe reduziert  werden um das Aroma zu intensivieren. Also, auf die Hälfte einkochen und  nochmal klären. Ich serviere dazu feine Grießklößchen und Sellerie-Julienne, das sind ganz filigrane Gemüsestreifen, (es gibt extra Julienne-Schneider), die garen in der Consommé  etwa 5 Minuten mit.  Alternativ empfehle ich Suppenstrudel.

Die Krebsschwänze schienen mir dann doch etwas zu dekadent, zumal das gekochte Rindfleisch auch essbar ist (es wird nichts weggeschmissen!). Den Champagner trinke ich lieber beim Kochen oder  zum Süppchen. Santé!

3 Kommentare zu „Marquise de Pompadour und die siebenbürgischen Primärtugenden …“

  1. Liebe Marie,
    jetzt wissen wir, dass Du ebenso köstlich schreibst wie kochst.
    Voller Freude auf alles, was da noch so kommt,
    Karen

  2. Liebe Marie, es macht sooo Spaß deine Geschichten zu lesen. Sie zaubern immer einen Lächeln auf mein Gesicht. Am liebsten würde ich mir mit einer Tasse Tee gemütlich machen und ganz entspannt lesen und von leckerem Essen träumen. Du bist eine echte Künstlerin und man fühlt sich sehr wohl bei dir. Es ist toll gelungen dein Blog!!! liebe Grüße Dana

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